Dr. Matthias Girke über Meditation

Dr. Matthias Girke über Meditation

Heilende Seelenkräfte und ein sinnhaftes Leben

Was kann Vertrauen therapeutisch leisten – oder ist es einfach nur schön, wenn Menschen zueinander Vertrauen haben – darüber sprach Dr. Matthias Girke am Freitag auf Einladung des anthroposophischen Zweigs Goslar im gut besuchten Turmsaal des Klosters Frankenberg in Goslar.  Der Facharzt für innere Medizin und Mitbegründer des anthroposophischen Gemeinschaftskrankenhauses Havelhöhe in Berlin umriss die Wege, wie sich Vertrauen aufbaut und zog dazu auch Beispiele aus seiner therapeutischen Arbeit hinzu.  

Nach wenigen Sekunden entscheide der Mensch bei einer Begegnung: Kann ich vertrauen oder nicht, so Girke. Gerade sorgen- und stressbelastete Menschen würden durch Vertrauen fried- und ruhevoll. „Alles, was die Seele befriedet, hängt mit Gesundungskräften zusammen, auch gerade bei Herzpatienten“, erklärte er.  Vertrauen überwinde die Schwelle, gebaut aus Angst und Furcht der Erkrankten, sodass ein Selbstvertrauen, ein Vertrauen in die Welt und zu  anderen Menschen entstehen könne. 

Girke beschrieb das Vertrauen als Ein- und Ausatmungsprozess: „Einmal gehe ich ganz in den anderen hinein, dann bin ich wieder bei mir.“ Diese Hin- und Herbewegung sei ein Symbol des Merkurstabs, der für das Heilen stehe. In der Begegnung entstünden heilende Kräfte, wenn man sich wahrhaft begegne. „Je mehr wir uns selbst finden, können wir auch den anderen Menschen finden.“

Girke beschrieb den Weg nach einer schweren Diagnose nach dem Modell der Sterbephasen von Elisabeth Kübler-Ross (1926-2004). Verleugnung durch Furcht sei das Gegenteil von Vertrauen. Dann folge ein Kampf; in der Tiefe der Seele lebe ein Hass gegen die Erkrankung. In der Phase der Verhandlung komme es zum Zweifel, man habe nicht mehr das Vertrauen, dass man es schaffen kann. Er habe oft beobachtet, wie dann doch aus dieser Finsternis der Mensch sich wieder aufrichte, aus der Niederlage trotzdem “ja” zum Leben zu sagen. Menschen würden Wärme und Liebe für den Umkreis entwickeln. “In der Zwischenmenschlichkeit entsteht neuer Boden.”

Der Begründer der Anthroposophie, Rudolf Steiner (1861-1925), bezeichne den Einweihungsweg in seinem Buch „Wie erlangt man Erkenntnisse der höheren Welten“ mit der Wasser-, Luft- und Feuerprobe. Ein Mensch, der autonom entscheiden könne, erfahre Mut, entwickele neues Vertrauen in die Sinnhaftigkeit des Lebens. Der Mensch könne mit gutem Bewusstsein der Zukunft entgegen gehen, ein erwartungsvolles Leben führen.

Die Quellen, in schwierigen Situationen Vertrauens zu finden, sah Girke unter anderem in der Meditation – „wo bin ich und wo darf ich hoffe, dass eine Engelkraft in mich einzieht“. Wie könnten Begegnung und Dank kultiviert werden, fragte er. Jeden Tag geschehe ein kleines Wunder, zitierte er eine Übung von Rudolf Steiner. Wo etwas hätte anders ausgehen können: Dies zu entdecken und dadurch Liebe zur Welt und Schicksalsvertrauen zu erfahren, könne geübt werden.

Im Griechischen werde für die Begriffe Glauben und Vertrauen dasselbe Wort benutzt. „Licht, Liebe und Leben sind zentrale Worte, die das Ziel unseres Entwickelns ausmachen,“ so Girke. Die Seelenkräfte Glaube, Liebe, Hoffnung würden heilend wirken, „wenn ich innerlich sicher bin, Boden gefunden habe”. Vertrauen wirke in unsere Leiblichkeit hinein, schloss er: „Wir brauchen eine vertrauensgrundgelegte Medizin.“

Dr. med. Matthias Girke spricht im Turmsaal des Klosters Frankenberg über die therapeutische Wirkung des Vertrauens. Foto: privat

Vortrag von Matthias Girke im Kloster Frankenberg

Vortrag von Matthias Girke im Kloster Frankenberg
Dr. Claudia Menzel vom Zweig Goslar begrüßt Matthias Girke im Turmsaal. Foto: Seltmann

Meditation als Unterstützung der heilenden Kräfte

Die Heilkunst möchte den gesundenden Kräften dienen durch eine Vielzahl von Möglichkeiten, eine davon sei die Meditation, darüber sprach Matthias Girke Anfang Juni 2025 im Turmsaal des Klosters Frankenberg. Der Facharzt für Innere Medizin, Palliativmedizin und Diabetologie war Mitbegründer des Gemeinschaftskrankenhauses Havelhöhe, Klinik für Anthroposophische Medizin, in Berlin und langjähriger Leiter der Medizinischen Sektion in der Anthroposophischen Gesellschaft, und referierte auf Einladung des Zweigs Goslar.

Der Vortrag „Gesundheit und Meditation“ fand anlässlich des 100. Todesjahres Rudolf Steiners statt – der Begründer der Anthroposophie starb am 30. März 1925. Seine Erkenntnisse werden bis heute unter anderem in der Pädagogik, Landwirtschaft und auch in der Medizin genutzt und weiterentwickelt. Die Meditation könne die heilenden Kräfte unterstützen, erklärte Girke. Er sprach von einem messbar positiven Einfluss auf chronische Entzündungen, Bluthochdruck, sie verbessere die Aufmerksamkeit, mindere Stress und stärke die Lebensorganisation des Menschen.

Eine richtige Meditation im Gegensatz zu einer „Zweckmeditation“ belebe die Seele, sie mache nicht nur tüchtig für den Erdenweg, sondern habe auch heilenden Einfluss auf die Erde und die geistige Welt. Girke bezeichnete die Meditation als Entwicklungsaufgabe, die auch in die Umgebung hineinstrahle. Er unterschied zwischen Ruhe und Leere – Ruhe sei immer etwas Erfülltes, sie sei erfüllt mit Geistgegenwart, nicht -abwesenheit. In Ruhemomenten sei der Mensch offen für das Geistige. Zahlreiche Fragen gab es für den Mediziner im Anschluss zu beantworten, Meditationstechniken wurden dabei ebenso vorgestellt wie die Arbeit der anthroposophischen Medizin.